Vogelhaus-Kamera Version 3

Gepostet von Thomas am 2016-09-18 18:17:39

Vogelhaus 2015 ohne KameraIm August 2015 wurde mir von meinen Sportskollegen ein wunderschöner neuer Nistkasten geschenkt, den ich selbstverständlich aufgehängt habe. Anders als der Vorgänger hat er ein Spitzdach. Doch auch in dieses Vogelhaus wollte ich die Infrarot-Kamera installieren und mir dazu eine generische Lösung überlegen, die folgende Anforderungen erfüllt, die ich aus den vorhergehenden Erfahrungen abgeleitet habe:

 

  • keine Störung der Vögel bei Wartungsarbeiten an der Technik während der Brutphase!
  • daraus resultierend: keine Technik fest im Brutraum installiert
  • Möglichkeit zur Installation auf allen gängigen Dachtypen: Spitz-, Schräg- oder Flachdach
  • passt sich optisch dem Design des jeweiligen Vogelhauses an
  • Kamera-Winkel von außen justierbar
  • geschützt vor Feuchtigkeit

Der Lösungsansatz, den ich mir zusammen mit einem Freund ausbaldowert habe, ist angelehnt an das (zugegebenermaßen umgederehte) Periskop eines U-Boots... Man soll die gesamte Technik - also Kamera und LEDs von oben in den Nistkasten durch ein Loch hineinsenken können, aber eben nur so weit wie nötig. Sie sollte möglichst weit oben sitzen, damit man den größtmöglichen Sichtbereich auf das Nest hat. So sieht das Endresultat aus:

 

Der Aufbau

Die Konstruktion besteht aus drei wesentlichen Teilen:

  1.  eine Art Schornstein, der durch ein gebohrtes Loch im Dach ins innere führt
  2. Das Periskop, das man mitsamt der Technik in den Schornstein einführt
  3. Ein Dach auf dem Periskop, das das Innere vor der Witterung schützt und optisch mit dem Vogelhausdach harmoniert.
  4. Eine Wippe, auf der die Kamera, LEDs und Temperatursensor am unteren Ende des Persikops befestigt sind

Hier werden die Teile in Bastel-Reihenfolge beschrieben:

 

Die Wippe

Die Kamera wird auf eine kippfähige Wippe aus thermoplastischem Kunststoff geschraubt. Im Buamarkt findet man diese Bastelplatten in verschiedenen Farben beim Plexiglas. Zuerst wird ein 4cm durchmessender Kreis mit "Ohren" ausgeschnitten. Die Ohren werden mit einem Heißluftfön im rechten Winkel nach oben gebogen und durchbohrt. Die Löcher dienen als Befestigung der Wippe am Periskop-Rohr.

Wippe von der SeiteDurch Auflegen der Kamera auf die Wippe können wir ungefähr herausfinden, wo wir einen ca 1cm x 1cm Ausschnitt für die Kameralinse machen müssen. Passt das Objektiv durch, wird die Kameraplatine mit zwei kleinen Schrauben (das reicht) auf dem Plastik fixiert.

Neben der Kamera sollen auf der Wippe noch zwei Infrarot-LEDs und evtl ein DS18B20 Temperatur-Sensor Platz finden, deshalb werden neben der Platine Löcher in die Wippe gebohrt, durch welche die LEDs befestigt werden - aus Platzgründen konnte ich die Beinchen nur von unten durchstecken, unter der Kameraplatine verbiegen und mit den Kabeln verlöten.

 

 

Das Periskop

Wippe von unten

Die gesamte Wippe wird in ein Abflussrohr (auch aus dem Baumarkt) mit 4cm Durchmesser eingesetzt. Vorher wird einmal genau durch die Mitte des Rohrs gebohrt. Durch die beiden Löcher werden die "Ohren" der Wippe mit einem Innensechskant fixiertSo kann man von Außen am Innensechskant den Neigungswinkel der Wippe einstellen - zumindest wenn das Vogelhaus ein Spitzdach hat.

Beim Einsetzen der Wippe in das Periskoprohr musste ich feststellen, dass 4cm sehr eng bemessen sind, da das Flachbandkabel ziemlich stark abknickt und auch sonst der Platz ziemlich knapp ist. Bei der nächsten Version werde ich wahrscheinlich ein 5cm Rohr nehmen.

Das Kamera-Flachbandkabel sowie das Flachbandkabel für LEDs und Temperatursensor wird durch einen alten Fahrradschlauch in die Gartenhütte geführt. Den Schlauch habe ich mir in einem Fahrradgeschäft aus dem Müll geben lassen und mir ein intaktes Stück abgeschnitten.

 

Der Schornstein

Die Abflussrohre kann man ineinanderschieben, daher war meine Idee, den äußeren Teil des Rohrs in Form eines "Schornsteins" als Fassung für das Periskop ins Dach einzuarbeiten:

Fassung für das Rohr mit der Kamera-Wippe Mit einer Lochsäge habe ich dazu in das Spitzdach hineingebohrt und die "Fassung" eingesetzt. Zwei Aussparungen wurden hineingedremelt, in welche ein Innensechskant gesteckt wird. Dieser hält das Rohr erstens auf der passenden Höhe und erlaubt es, die Wippe nach vorne oder hinten zu kippen, um den Neigungswinkel der Kamera einzustellen.

 

Das Dach

Das Dach habe ich auch aus einer thermoplastischen Platte in rot gefertigt, damit es sich der gesamten rot-weissen Vogelhaus-Optik anpasst. Hier kann man aber theoretisch jegliches Material nehmen. Das Dach wurde mit ISO-Gewindeschrauben mit dem Periskop-Rohr verbunden und mit Heißkleber abgedichtet. Ich habe das Dach relativ weit überstehen lassen, damit auch Schlagregen der Technik im Inneren nichts anhaben kann.

 

Erfahrungen nach einer Brutsaison

Das Vogelhaus ist in dieser Form nun seit 6 Monaten im Dauereinsatz, und bisher gab es keinerlei Probleme. Die Anforderungen sind meines Erachtens zum Großteil erfüllt. Einmal musste ich zu Beginn der Netsbau-Phase eine Wartung durchführen. Das habe ich tagsüber gemacht, als gerade der Elternvogel nicht da war: Kameraeinsatz rausgenommen, Dummy-Rohr mit Dach reingesetzt und die Wartung durchgeführt. Das Wiedereinsetzen habe ich gefilmt. Das Video zeigt, wie einfach das Einsetzen ist, und wie man mit dem Innensechskant die Wippe justieren kann:

 

Vorteile:

  • Die Technik ist vor den Vögeln verborgen und gut vor Schnäbeln und Krallen geschützt.
  • Der Neigungswinkel der Kamera kann von außen justiert werden.
  • Die gesamte Technik kann auf der Wippe ohne große Störung der Vögel in ca. 1 Minute abgebaut und das Loch im Dach durch einen Deckel verschlossen werden, solange eine Wartung durchgeführt wird.
  • Die Lösung passt sich optisch gut dem Vogelhaus an.

Nachteile:

  • der Platz für die Technik ist beieinem Rohrdurchmesser von 4cm sehr eng bemessen, ein zu starkes Abknicken des Flachbandkabels könnte zu einem Defekt führen.
  • Die LEDs können nicht mehr von oben durch die Wippe geführt werden, deshalb musste ich die LEDs von unten mit den beiden Beinchen durch die Wippe stecken. Das macht die Installation und den Austausch schwieriger als es sein könnte.
  • Bei einer Flachdach-Montage bin ich nicht sicher, ob man von extern den Neigungswinkel der Wippe justieren kann
    ⇒ die Justierung der Wippe mit Hilfe des Sechkants muss überarbeitet werden!
  • Der Fahrradschlauch zum Schutz der Kabel ist ein wenig klobig.

 

Es kann weiter optimiert werden :-)